Foto Iuventars bienále 2018
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Antonín Kratochvíl

Antonín Kratochvíl

Antonín Kratochvíl wurde in Lovosice im Jahr 1947 geboren, wo sein Vater, Jaroslav Kratochvíl, ein Fotoatelier besaß. Im Jahr 1949 war seine Familie Repressalien gegen Unternehmer seitens des kommunistischen Regimes ausgesetzt. Die Familie wurde enteignet, sie musste Lovosice verlassen und wurde zwangsweise in das Arbeitslager in Vinoř übersiedelt. Der Vater war gezwungen, in einer Fabrik zu arbeiten und die Mutter in der Landwirtschaft. Im Jahr 1953 wurden sie aus dem Lager entlassen und im Prager Viertel Karlín angesiedelt. Antonín Kratochvíl konnte aus politischen Gründen nicht studieren und absolvierte deshalb eine Lehre als Bauschlosser im Betrieb Pozemní stavby. Im Jahr 1967 heiratete er und noch vor der Geburt seines Sohnes flüchtete er über Jugoslawien nach Österreich (seinen Sohn sah er zum ersten Mal nach achtzehn Jahren). In der Tschechoslowakei wurde er anschließend für das unerlaubte Verlassen der Republik und der Verbreitung von Verlautbarungen aus dem damaligen Schriftstellerkongress für sieben Jahre in Abwesenheit verurteilt. Seine Lebensstationen waren das Flüchtlingslager Traiskirchen, ein Gefängnis in Schweden, die französische Fremdenlegion und schließlich die Niederlande. Auf Empfehlung des Fotografen Vojta Dukát absolvierte er einen Bachelorstudiengang an der Kunstakademie Gerrit Rietveldt im niederländischen Utrecht. Zum zweiten Mal heiratete er eine Amerikanerin und im Jahr 1972 reiste er in die USA ab. Er begann, für angesehene amerikanische Zeitungen und Zeitschriften – Playboy, Penthouse, Vogue, Rolling Stone, Los Angeles Times Magazine oder Newsweek zu arbeiten. Allmählich erlangte er Anerkennung und fotografierte auch viele Prominente aus der Welt der Künstler. Im Jahr 1975 konnten ihn seine Eltern in den USA besuchen. Seine dritte Ehefrau Jill war ebenfalls eine Amerikanerin. In der Mitte der siebziger Jahre brach er in den Ostblock auf und dokumentierte zwanzig Jahre lang das Leben hinter dem Eisernen Vorhang sowie das Leben nach dessen Fall. Darüber gab er im Dezember 1997 das Buch „Broken Dream: Twenty Years of War in Eastern Europe“ heraus. Als Journalist war er auf Kriegsschauplätzen tätig und verzeichnete den Genozid in Zaire und in Ruanda, Flüchtlinge in Bosnien und in Afghanistan, Opfer der AIDS Epidemie in Zimbabwe und Drogenschmuggler in Guatemala. Seit einigen Jahren widmet er sich schwindender Natur und Kulturen. Kratochvíl wurde für seine Dokumentarfotografie mehrfach ausgezeichnet (z. B. erhielt er drei Preise beim World Press Photo). Im Jahr 1997 bekam er seinen ersten WPP-Preis in der Kategorie Portrait, im Jahr 2002 in der Kategorie Hauptnachrichten für die Aufnahme der Händler mit Narkotika in Gefängnissen in Birma. Für das Foto einer kongolesischen Frau, die das Fleisch von gejagten Tieren verkauft, bekam er den Preis in der Kategorie Natur und Umwelt. Im Jahr 2009 spielte er eine bedeutende Rolle eines Bildhauers im Film von Jan Hřebejk Kawasakiho růže [Kawasakis Rose]. Antonín Kratochvíl ist nun zum vierten Mal verheiratet, er lebt mit seiner tschechischen Ehefrau Gabriela abwechselnd in New York und in Suchdol. Er hat insgesamt drei Söhne – Michael, Anthony Waynee Cooper und Gavyn.

Die aktuelle Ausstellung im Museum der Fotografie besteht aus vier Teilen; zuerst die eigentliche Sammlung von Fotografien mit der Bezeichnung Moskevské noci [Moskauer Nächte] und des Weiteren der Aufnahmezyklus Portréty osobností [Porträts der Persönlichkeiten]. Die letzten zwei Teile werden auf zwei Bildschirmen gezeigt – Fotografien aus dem Familienalbum und aufgenommene Kriegskonflikte aus der ganzen Welt. Als Bonus werden hier die Porträts von Antonín Kratochvíl in der Form vorgestellt, wie sie der Regisseur Jaroslav Brabec geschaffen hat.